Lesetipps aus dem offenen Bücherschrank

Handverlesen von Regula Freuler und gefunden im offenen Riedtli-Bücherschrank auf dem Kiesplatz:


    

  • «Lebt es noch, oder isst du es schon?» Die Frage, mit der Karen Duves Buch «Anständig essen» seinerzeit angekündigt wurde, lehnt sich an den Werbeslogan des schwedischen Einrichtungsriesen an. Das ergibt Sinn: Bei beiden geht es um Massenproduktion. «Anständig essen» basiert auf einem Selbstversuch: Jeweils zwei Monate lang ernährte sich die deutsche Autorin (*1961) mit moralisch hohem Anspruch, das heisst biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und zuletzt frutarisch. Davon erzählt sie mit ihrem gewohnten trockenen Humor und sympathisch unbelehrend. Das Buch ist 2011 erschienen aber heute – mitten im Zero-Waste- und Vegan-Trend – sehr aktuell. Die Autorin liest: https://www.youtube.com/watch?v=SEOrMc9rXeE


  • Der junge Autor Benedict Wells (*1984) ist ein Riesentalent. Er schreibt leicht – und doch mit Tiefgang. Seinen ersten Roman «Spinner» hat er als 19-Jähriger geschrieben. Er handelt vom 20-jährigen Jesper Lier, der keine Angst vor der Zukunft aber ein bisschen vor der Gegenwart hat und der weiss, dass er sein Leben radikal ändern muss. Bloss wie? Benedict Wells heisst eigentlich von Schirach, er ist der Bruder der Philosophin Ariadne von Schirach und Cousin des Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Seinen Namen liess er amtlich ändern, er ist eine Hommage an die Romanfigur Homer Wells aus John Irvings Buch «Gottes Werk und Teufels Beitrag». Hier ein TV-Beitrag über Wells.


  • Die Erzählung «Endlich Stille» (2005) handelt von einem Philosophieprofessor, dem sich ein distanzloser, penetranter Mensch eines Tages an die Fersen hängt. Was für eine Qual, denkst du? Ja genau. Und diese schildert der Autor Karl-Heinz Ott erschreckend realistisch. «Raffiniert!», fand der «Spiegel».


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